Glückliche Beziehung: Richtig streiten lernen.

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Streit gehört zu einer Partnerschaft dazu – teilweise bereits in der Kennenlernphase, spätestens aber, wenn man sich entschließt, zusammenzuleben. In einer neuen Beziehung müssen die jeweiligen Vorstellungen offen artikuliert und Positionen abgesteckt werden. Aber selbst langjährige Ehen bleiben nicht von Streitigkeiten verschont. Oft kabbeln sich die Partner immer wieder wegen derselben Kleinigkeit: der offen gelassenen Zahnpastatube oder der richtigen Art, den Geschirrspüler einzuräumen.

Im Grunde geht es dabei meist um das Bedürfnis nach Wertschätzung und Respekt. Man will, dass der Partner die eigenen Wünsche ernst nimmt und anerkennt, was man zur Beziehung beiträgt. Doch so leicht ist das eben nicht. Ab und zu knarzt und knirscht es. Dann fliegen die Fetzen und ein regelrechter Machtkampf wird ausgefochten.

Discusiones de pareja

Paartherapeuten sind sich einig: Das ist gut so! Streit sei wichtig für eine Beziehung. Nur wo gestritten wird, könne sich eine Partnerschaft entwickeln. Gleichwohl sei es wichtig, wie diese Auseinandersetzungen verlaufen! Man müsse lernen, „konstruktiv“ zu streiten: Man dürfe dem anderen seine Kritik nicht um die Ohren hauen oder gar laut und beleidigend werden, man solle Verständnis für die Positionen des anderen aufbringen, zuhören, konkret werden, Lösungen suchen und dergleichen mehr.

Bloggerin Sarah Cottrell hält solche Ratschläge für Humbug: „Nach 13 Jahren Ehe habe ich gelernt, dass die meisten Lehrmeinungen zum Thema Eheglück totaler Quatsch sind.“ Die Regeln für ein angeblich richtiges Streitverhalten erscheinen ihr nur wenig mit der Realität zu tun zu haben. Besonders schlimm: der verbreitete Tipp, niemals ins Bett zu gehen, solange der Konflikt noch nicht geklärt ist. Sarah rät stattdessen: „Schüttle dein Kissen aus und nimm deine Wut mit ins Bett – es könnte deine Ehe retten!“

Anneke in bed at The Farmhouse in Hollywood, CA

Mit großer Offenheit gesteht sie, wie oft sie früher mit ihrem Mann bis spät in die Nacht blödsinnige Argumente ausgetauscht habe: „Von Anfang an haben wir in unserer Ehe den Hinweis befolgt, uns vor dem Schlafengehen zu küssen und zu versöhnen, nur damit am nächsten Morgen der Hausfrieden gewahrt bleibe. Oder sowas Ähnliches.“ Das, was aber wirklich passierte, war, dass sich am Ende der eine – allein aus Sorge um die Beziehung oder aus Erschöpfung – zu einem faulen Kompromiss gezwungen fühlte, während sich der andere als Sieger sah. Sarah und ihr Mann haben deshalb irgendwann beschlossen, diesen Schmu bleiben zu lassen und stattdessen lieber einmal die Nacht getrennt zu verbringen – der eine im Bett, der andere auf dem Sofa.

Sleeping in Switzerland

So richtig die Ratschläge der Beziehungscoaches an sich auch sein mögen, Sarah ist überzeugt, dass im Eifer des Gefechts die Emotionen einfach zu hoch kochen, um zu einer vernünftigen und für beide Seiten zufriedenstellenden Lösung zu kommen. Gleichzeitig setzt die Vorgabe, noch bis zum Abend den Konflikt beigelegt haben zu müssen, die Partner unter Druck: Obwohl klar ist, dass gelegentlicher Streit völlig normal ist, bekommt man das Gefühl, die ganze Beziehung sei bedroht, nur weil sich nicht alles auf die Schnelle in Wohlgefallen auflöst.

Manche Reibungspunkte brauchen Zeit. Am Ende eines anstrengenden Arbeitstages noch vernünftig und abgeklärt zu diskutieren, ist eine Illusion. Manchmal reicht es schon aus, sich zu einigen, dass man unterschiedlicher Ansicht ist und weiterredet, wenn sich die Lage entspannt hat. „Am nächsten Tag – oftmals auch erst einige Tage später, um ehrlich zu sein – wenn sich die erste Aufregung etwas gelegt hat, reden wir dann wie zivilisierte Erwachsene und können Probleme lösen, egal wie kompliziert sie sein mögen“, berichtet Sarah. „Denn wenn ich meinen Mann insgeheim einen Idioten nenne, dann hört er es nicht und seine Gefühle werden nicht verletzt. Mit der Zeit findet man jedoch freundlichere und förderlichere Worte, man bringt immer mehr Verständnis für den anderen auf und ist fähig, die Situation rational zu betrachten.“

Couple

Für Sarah gehört es zu einer stabilen Beziehung dazu, dass sie längere Phasen des Streits aushält, ohne sich gleich Sorgen um den „Hausfrieden“ machen zu müssen: „Zufrieden und versöhnt ins Bett zu gehen, nur weil man irgendeinen dämlichen Streit niedergerungen hat, ist für unsere Ehe nicht mehr wichtig“, sagt Sarah. Und sie will auch ihren Kindern einen Tipp mitgeben, wenn die mal erwachsen sind: „Es ist wichtiger, ehrlich und freundlich miteinander umzugehen, als immer einen auf eitel Sonnenschein zu machen.“

Couple on the beach

Freilich ist Sarahs Ratschlag ebenso wenig ein allgemeingültiges Glücksrezept wie diejenigen der Paartherapeuten. So unterschiedlich, wie die Menschen sind, so gibt es auch verschiedene Streittypen: Der eine ist eher konfliktscheu, der andere aufbrausend, wieder ein anderer behält stets einen kühlen Kopf. Womit Sarah jedoch recht hat, ist, dass in der Theorie vieles einleuchtend erscheint, letzten Endes sich aber alles in der Praxis bewähren muss. Daher müssen Paare wohl auch erst ihre eigene Form des Streitens finden – und sei es, dass sich beide eine Nacht lang voll Groll aufeinander schlafen legen.

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