Immer mehr Schweden setzen sich Mikrochip in die Hand ein

Es heißt: Wirft man einen Frosch in kochendes Wasser, springt er sofort wieder heraus, um zu entkommen. Stattdessen solle man ihn in lauwarmes Wasser setzen und dann langsam die Temperatur erhöhen. So bemerke er nicht, wie er bei lebendigem Leibe gekocht wird.

Eine Metapher, wie sie auch auf uns selbst und unseren Weg in die Zukunft gemünzt werden kann. Wir haben zwar die Zukunftsvisionen aus all den Science-Fiction-Filmen vor Augen, sind uns aber kaum bewusst, dass wir durch unseren wissenschaftlichen und technologischen Fortschritt diese Zukunft schon längst erreicht haben.

Ein Beispiel dafür, wie unsere Gegenwart plötzlich „wie in einem Science-Fiction-Film“ zu sein scheint, findet sich seit einiger Zeit in Schweden. In dem skandinavischen Land, das vornehmlich für ABBA und IKEA bekannt ist, vollzieht sich nichts Geringeres als die Verschmelzung von Mensch und Maschine.

pint1

Streng genommen sind bereits Patienten mit Herzschrittmachern oder Prothesen sogenannte Cyborgs, aber dahinter steht ein medizinischer Nutzen. Doch immer mehr Schweden lassen ihren Körper unabhängig davon technisch aufrüsten.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Sandra Würthner (@sandra_wuerthner) am

Zwischen Daumen und Zeigefinger lassen sie sich einen Mikrochip in die Hand einpflanzen. Dieser besitzt ungefähr die Größe eines Reiskorns und soll sämtliche elektronische Karten wie Kreditkarte, Bahn- bzw. Monatskarte oder die Schlüsselkarte fürs Büro ersetzen.

Daneben ist es sogar möglich, Social-Media-Profile bzw. die Links dazu auf dem Chip abzuspeichern.

Wird der Chip mit einem Smartphone oder einem anderen Lesegerät gescannt, wird das Profil oder der Link direkt auf dem Display angezeigt. In anderen Fällen wird die Gültigkeit der Fahrkarte geprüft oder die Tür geöffnet – wie wir das bereits von den bisher genutzten Plastikkarten gewohnt sind.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Bendissimo Workman (@datmimeguy) am

Die implantierten Chips sind per „Near Field Communication“ (NFC) lesbar – es ist dieselbe Technologie, die auch bei auflegbaren Kreditkarten zum Einsatz kommt. Bei Aktivierung durch ein Lesegerät, das einige Zentimeter entfernt ist, werden die Daten über elektromagnetische Wellen übermittelt.

Die schwedische Eisenbahn bietet bereits seit 2017 die Möglichkeit an, den Chip in der Hand als Ticket zu nutzen. Im Juni 2017 griffen 100 bis 200 Fahrgäste auf dieses Angebot zurück. Wie das in der Praxis funktioniert, zeigt dir der zwanzigsekündige Ausschnitt aus dem folgenden Video:

Außerdem sind die Chips „passiv“, was bedeutet, dass sie nur gelesen werden können, selbst aber keine Informationen lesen können. Über GPS verfügen die Chips aktuell nicht, können aber prinzipiell damit ausgestattet werden, wodurch man sie – und damit die Person, die sie trägt –, dann orten könnte.

Alles in allem haben sich Ende 2018 um die 4.000 Schweden einen Chip in die Hand einsetzen lassen – Tendenz weiter steigend. 

Der Chip kostet inklusive „Einbau“ umgerechnet ca. 160 Euro. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern diesen Service sogar gratis an, oft verbunden mit entsprechenden Firmenfeiern – Implantat-Partys, wenn man so will. Beim Reiseunternehmen TUI Schweden etwa hat bereits jeder fünfte Mitarbeiter dieses kostenfreie Angebot angenommen.

Dieses Video zeigt den Vorgang, der vollkommen unblutig vonstattengeht. Der Chip ist danach nur zu sehen, wenn man darauf drückt (siehe das darauffolgende Bild).

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Bendissimo Workman (@datmimeguy) am

Die schwedische Gesellschaft ist im Umgang mit neuer Technik und persönlichen, sensiblen Daten insgesamt unverkrampft. So darf zum Beispiel jeder Bürger das Gehalt eines anderen bei der Steuerbehörde erfragen.

Dennoch gibt es natürlich kritische Stimmen: Die Daten auf dem Chip könnten ungewollt ausgelesen und missbraucht werden; die Unternehmen könnten die Chips zur Kontrolle und Überwachung ihrer Angestellten verwenden; auch ist die langfristige Reaktion des Körpers auf das Implantat noch nicht bekannt.

 
 
 
 
 
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Ein Beitrag geteilt von Sandra Würthner (@sandra_wuerthner) am

Am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden, ob dieser Eingriff und die damit verbundenen Risiken es wert sind, keine Plastikkarten mehr herumtragen und zücken zu müssen, Kontaktdaten per Scan austauschen oder Computer per Handbewegung einschalten zu können.

Weit mehr als 4.000 Schweden haben sich für den Chip entschieden. Wie ist deine Meinung bei diesem Thema?

Kommentare

Auch interessant