Scharfes Essen: Das sind die Folgen für Körper und Wohlbefinden.

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Was treibt einen Menschen dazu, Scharfes zu essen? Im Grunde handelt es sich bei der Schärfe in Nahrungsmitteln um einen Abwehrmechanismus. Eine Pflanze ist scharf, weil sie nicht gefressen werden will. Die meisten Tiere halten sich auch daran. Der Mensch nicht. Für viele Menschen ist Schärfe ein toller Effekt im Mund – ähnlich der Kruste einer Crème brûlée oder der Kohlensäure in Limonade. Vor allem in warmen Regionen gehören scharfe Gewürze zur traditionellen Küche. Mittlerweile werden aber auch hierzulande feurige Speisen immer beliebter. Doch ist das überhaupt gesund?

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Um dieser Frage nachzugehen, muss zunächst geklärt werden, was Schärfe ist bzw. nicht ist: Denn „scharf“ ist im Unterschied zu „sauer“, „süß“, „salzig“, „bitter“ und „umami“ keine Geschmacksrichtung. Chili, Pfeffer, Ingwer & Co. enthalten Stoffe, die die Wärme- und Schmerzrezeptoren reizen. So kommt es auch, dass scharfes Essen zweimal brennt. Am After befinden sich zwar keine Geschmacksknospen, aber durchaus sensible Nerven. Schärfe ist folglich ein Schmerzgefühl: Selbst eine kalte Suppe wird als heiß wahrgenommen, das Herz schlägt schneller, der Adrenalinspiegel steigt, man fängt an zu schwitzen. Wohin das führen kann, wurde vor ein paar Jahren am trompetenden Moderator Stefan Mross deutlich, der nach einer Currywurst-Verkostung stundenlang bewusstlos war. 

Doch scharf ist nicht gleich scharf. Während am Schluss dieses Artikels auf die Gefahren scharfen Essens eingegangen wird – vor allem: wer darauf verzichten sollte – werden zuvor 8 positive Eigenschaften auf unsere Gesundheit vorgestellt. Diese sind nämlich weit weniger bekannt, als man annehmen könnte.

1.) Gelenkbeschwerden lindern

Heilpraktiker empfehlen bei Arthrose immer häufiger Chilisalben. Das darin enthaltene Capsaicin soll die Schmerzen nachhaltig lindern. Aber auch im Essen soll sich Capsaicin positiv auf entzündliche Erkrankungen auswirken. Dr. Peter Baum, ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen, spricht der Ernährung bei der Entstehung von Arthrose eine wesentliche Rolle zu. Studien hätten belegt, dass der Verzehr von scharfem Gemüse wie Zwiebeln und Knoblauch Arthrose vorbeuge und Symptome eindämme. Internist Dr. Jörn Klasen empfiehlt zudem Ingwer, dessen Bestandteil Gingerol ebenfalls zu den „Scharfmachern“ in der Küche zählt.

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2.) Übergewicht reduzieren

Scharfe Gewürze unterstützen das Abnehmen in mehrfacher Hinsicht. Zum einen regen sie die Speichel- und Magensaftbildung an. Dadurch wird fettreiches Essen besser verdaut – was aber nicht heißt, dass es früher auf den Hüften landet. Ein australisches Forscherteam hat vielmehr nachgewiesen, dass auf diese Weise der Insulinspiegel langsamer steigt. Man bekommt somit viel weniger Heißhungerattacken.

Zum anderen fördern pikante Speisen die Fettverbrennung: Da die Blutzirkulation ansteigt und der Körper gegen den wahrgenommenen Hitzeschub ankämpft, wird der Energiebedarf erhöht. Freilich kann scharfe Kost die Gewichtsabnahme nur unterstützen: Ohne die richtige Ernährungsweise und Sport verpufft die Wirkung.

Fire & Ice 2010 Chili & Ice Carving Festival, Mt. Holly, New Jersey

3.) Weniger Salz

In Maßen eingesetzt, wirken pikante Gewürze als Geschmacksverstärker. Sie führen zu einer besseren Durchblutung der Schleimhäute, wodurch die Aromen intensiver schmecken. Wer scharf isst, braucht also weniger Salz. Übermäßiger Salzkonsum steht im Verdacht, Bluthochdruck, Nierenschäden und Schlaganfälle zu begünstigen. Dreht man allerdings zu viel am Scoville-Hebel, schlägt die Wirkung ins Gegenteil um. Zu scharfes Essen betäubt die Zunge und die Fähigkeit, einzelne Aromen wahrzunehmen.

Aber keine Angst: Zwar tritt bei regelmäßigem Genuss scharfer Kost ein Gewöhnungseffekt ein, der die Schmerzrezeptoren desensibilisiert, die Geschmacksknospen an sich werden jedoch nicht geschädigt.

Rheumatic heart screening at Vaiola hospital in Tonga, 2011. Photo: DFAT

4.) Mundhygiene verbessern

Die scharfen Inhaltsstoffe des Chilis, aber auch des Ingwers, Knoblauchs oder der Zwiebel, haben eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung. Zugleich regen sie den Speichelfluss an. Beides sind wichtige Faktoren, die die Mundflora verbessern und zur Zahngesundheit beitragen.

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5.) Erkältungsschutz

Die antibakterielle Wirkung vieler scharfer Stoffe wird in warmen Ländern traditionell dazu genutzt, verderbliche Speisen haltbar zu machen. Capsaicin (Chili), Senfölglycoside (Senf, Meerrettich, Kresse), Allicin (Knoblauch) und Gingerol (Ingwer) hemmen die Entwicklung von Mikroorganismen. Das kann man sich auch in der kalten Jahreszeit zunutze machen, um Erkältungen vorzubeugen. Erkältungssymptome treten nach dem Verzehr eines scharfen Gerichts deutlich reduziert auf. Nicht zuletzt befreit Scharfes die Atemwege.

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6.) Kühlung

Auch im Sommer gibt es gute Argumente für einen pikanten Mittagstisch. „Out hot, in hot, not hot“, lautet ein Sprichwort, das wahlweise aus Uganda, Kenia oder Indien stammen soll. Wie dem auch sei, die Aussage bleibt gleich: Wenn es draußen heiß ist und im Körper auch, dann kommt es einem weniger heiß vor. Scharfes führt nämlich zu Hitzewallungen und Schweißbildung. Dadurch kühlt sich der Körper herunter und die Hitze ist leichter zu ertragen.

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7.) Starkes Herz

Verschiedene medizinische Studien legen nahe, dass scharfes Essen nicht nur das Herz-Kreislauf-System anregt, sondern es nachhaltig kräftigt. In der Naturheilkunde wird dem Capsaicin der Chilischote zudem die Wirkung zugesprochen, die Blutgefäße zu reinigen und die Ansammlung schädlicher Blutfette zu verhindern, wodurch das Herzinfarktrisiko minimiert werden soll.

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8.) Glücksgefühle

Einer der Hauptgründe für die Beliebtheit von scharfem Essen ist: Es macht glücklich! Durch die feine Reizung der Wärme- und Schmerzrezeptoren werden Endorphine, sprich: Glückshormone ausgeschüttet. Und wer sich glücklich fühlt, bleibt bekanntlich länger gesund. Wie sich dieser Endorphinschub konkret äußert, ist allerdings unterschiedlich. Die einen fühlen sich wohlig entspannt, bei anderen wirkt Scharfes wie ein Aphrodisiakum – nicht umsonst sagt man: „Manche mögen’s heiß.“

pixabay

Wie du siehst, sprechen zahlreiche Gründe dafür, öfter mal scharf zu essen. Ob sich die Vorliebe für Pikantes auch auf die Lebensdauer auswirkt, bleibt jedoch umstritten. Mehrere Studien deuten zwar auf einen Zusammenhang hin, doch bleibt unklar, ob nicht einfach gesunde Menschen die scharfe Küche besser vertragen als kranke. Denn Scharfes kann auch Probleme verursachen!

Wie so oft gilt hier die Weisheit des Paracelsus: Die Dosis macht das Gift. In diesem Sinne warnt das Bundesamt für Risikobewertung (BfR), dass die Aufnahme „unüblich großer Mengen extrem scharfer Chilisoßen und Chiliextrakte“ zu einem Kreislaufkollaps – wie im Fall von Stefan Mross – führen kann. Auch wer allergisch auf einen scharfen Inhaltsstoff reagiert, sollte selbstverständlich darauf verzichten. Allgemein ist bei Magen- und Darmproblemen von intensiv gewürzten Speisen abzuraten. Sie können Sodbrennen und Durchfall zur Folge haben.

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Generell gilt: Schwangere und Kinder sollten nicht zu scharf essen – und: Wer übertrieben viel Chilisoße über sein Essen kippt, riskiert mitunter für eine Weile seinen Geschmacks- und Geruchssinn. Da die meisten Scharfmacher fett-, aber nicht wasserlöslich sind, verteilt Wasser übrigens lediglich den Schmerz, anstatt ihn zu lindern. Milch oder Joghurt mit hohem Fettanteil wirken da schon besser, dazu empfiehlt sich noch eine Scheibe Toastbrot, die wie ein Schwamm die Schärfe aufsaugt. Guten Appetit!

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