Vögel im Winter füttern: 10 Denkfehler, die für Vögel zur Gefahr werden.

Endlich alles auf einen Blick: Die 82 besten „Genialen Tricks”, in einem hochwertigen Buch zusammengefasst. Hier kannst du es bestellen.

Es schnattert und schwirrt, in weit gestreckten V-Formationen ziehen die Wildgänse über den Himmel, Stare bilden dunkle Wolken, die ständig in Bewegung sind. Mit der kalten Jahreszeit ziehen viele Vögel in wärmere Gefilde. Manche – wie Amsel, Buchfink, Kleiber oder Kohlmeise – halten uns aber die Treue und harren selbst bei Eis und Schnee in den heimischen Sträuchern, Wäldern und Gärten aus. Das weckt in vielen Menschen den Fürsorgetrieb und sie füttern fleißig, damit die kleinen Tiere gut durch den Winter kommen.

Aber Vorsicht: Leicht kann eine leichtsinnige Fütterung den Vögeln mehr schaden, als nutzen. Diese 10 verbreiteten Denkfehler zum Thema solltest du daher kennen: 

Blaumeise in der Hand

Denkfehler 1: „Es gibt kein hartes Brot …“

Viele Menschen sammeln altes Brot, um es an Vögel zu verfüttern. Doch Backwaren sind aus mehreren Gründen alles andere als geeignet. Zum einen setzen sie im Darm der Tiere gefährliche Gärungsprozesse in Gang. Außerdem enthält Brot viel zu viel Salz. Vor allem für Wasservögel wird die Brotfütterung jedoch zum Problem. Die Enten und Schwäne fressen wesentlich mehr, als sie nötig haben. Durch die größere Menge an Kot verschmutzt das Wasser, das ökologische Gleichgewicht geht verloren und Krankheitserreger verbreiten sich.

Denkfehler 2: „Ein Herz für scheue Tiere“

Wenn du neugierigen Vögeln Futter zuwirfst, achte darauf, dass nichts liegen bleibt – auch nicht für eventuelle Nachzügler, die im Moment noch zu schüchtern waren. Für Vogelfutter, das ungeschützt liegen bleibt, bedanken sich nämlich nicht zuletzt Ratten, Eichhörnchen oder größere Vögel wie Krähen. Als deren Nachtisch stehen dann Kleinvögel und schwächere Jungtiere auf dem Speiseplan. Insgesamt kann die direkte Fütterung von der Hand zum Schnabel zu einer Verhaltensänderung führen. Die Tiere verlassen dann allzu leichtfertig geschützte Zonen.

Denkfehler 3: „Im Netz gibt’s die günstiger“

Meisenknödel im Plastiknetz sind immer noch sehr beliebt. Sie sind billig, man hängt sie einfach an einen Ast und schon kann man die quirligen Piepmätze beim Futtern beobachten. Vogelschützer raten allerdings vor solchen Meisenknödeln ab, da sich die Krallen im Netz verheddern können. Darüber hinaus landen die leeren Säckchen nicht selten in der freien Natur, wo sie zur Gefahr für andere Wildtiere werden.

Denkfehler 4: „Der Klassiker für den Garten“

Jedes Kind kennt sie aus dem Bilderbuch: Vogelhäuschen. Doch ist diese klassische Variante der Vogelfütterung nicht sehr zu empfehlen. Die Vögel hüpfen durchs Futter, hinterlassen ihren Dreck, wodurch sich gefährliche Keime verbreiten. Für Marder und Ratten ist es außerdem ein Klacks, die Holzkonstruktionen zu erklimmen und auch sie schleppen Krankheiten ein. Wer dennoch sein Vogelhäuschen nutzen möchte, sollte es täglich mit heißem Wasser abschrubben. Futter sollte nur in kleinen Mengen ausgelegt werden, damit es nicht verdirbt.

Denkfehler 5: „Es lockt das pralle Angebot“

Statt zu Vogelhäuschen raten Experten eher zu Futtersäulen, bei denen die gefiederten Freunde die Körner aus einer kleinen Öffnung picken. Hier ist das Futter weitgehend vor Verunreinigungen geschützt. Wer aber denkt, mit einer prall gefüllten Futterstation die Vögel der Gegend noch besser anlocken zu können, sei gewarnt: Luftfeuchtigkeit kondensiert in den Säulen; ist die Säule zu voll, besteht die Gefahr, dass das Futter zu faulen beginnt. Daher gilt auch hier: Lieber wenig, dafür regelmäßig nachfüllen. 

Denkfehler 6: „Alles im Blick“

Viele Vogelarten sind scheu. Will man sie beobachten, gelingt das am besten durch ein Fenster. Zu nah sollte die Vogelfutterstelle aber nicht an der Glasscheibe angebracht sein. Die Vögel könnten die Scheibe übersehen und dagegenfliegen. Halte also mindestens 2 m Abstand!

pint1

Denkfehler 7: „Lieferservice“

Die Vögel zwitschern und hüpfen im Geäst herum. Dennoch sollte man auf keinen Fall den „Lieferservice“ spielen und das Vogelfutter unmittelbar an Ästen oder Sträuchern anbringen. Katzen können sich sonst heimlich anschleichen und Nagetiere vergreifen sich am Futter.

pint1

Denkfehler 8: „Erdnussbutter als Fettfutter“

Im Internet kursieren etliche Anleitungen, wie man Meisenknödel selbst herstellt. Zum Beispiel soll man einfach Körner mit Erdnussbutter mischen. In der Tat tut fetthaltiges Winterfutter den bunten Sperlingsvögeln gut. Aber nicht jedes Fett ist geeignet! In Erdnussbutter, wie man sie im Laden bekommt, sind außer dem Erdnussfett häufig noch andere Fette enthalten; dazu kommen Salz und Zucker. Mit selbst gemachter Erdnussbutter sowie Rinder- oder Kokosfett macht man den Meisen hingegen tatsächlich eine Freude.

pint1

Denkfehler 9: „Zusätzliche Proteine“

Findest du im Vogelfutter Mottengespinste, solltest du es entsorgen. Die Mottenlarven sind für die Vögel zwar ungiftig, eine zusätzliche Proteinquelle sind sie aber nicht. Im Gegenteil: Die Larven fressen das Innere der Kerne auf. Die Hülsen haben für die Vögel jedoch keinen Nährwert, sodass sie im schlimmsten Fall am gefüllten Futtertrog verhungern.

Bird Seed

Denkfehler 10: „Winterfütterung ist Artenschutz“

Über das Füttern von Vögeln herrscht Uneinigkeit: Einzelne Vogelschützer empfehlen, Vögel sogar das ganze Jahr über zu füttern; die größeren Naturschutzorganisationen lehnen eine solche Empfehlung indes ausdrücklich ab. Sie kritisieren, dass vom Zufüttern lediglich die Arten profitieren, die ohnehin gar nicht bedroht sind. Eine Ganzjahresfütterung würde somit höchstens das Risiko erhöhen, dass sich Krankheiten verbreiten, da sich Keime im Sommer schneller ausbreiten, zudem infizierte Tiere länger überleben. Nicht zuletzt würde die Fütterung vom eigentlichen Problem ablenken: Dass der dramatische Rückgang heimischer Vogelarten mit dem Pestizideinsatz in der Landwirtschaft sowie dem breiten Insektensterben einhergeht. Für die Jungtiere im Frühjahr sind nämlich Insekten, nicht Körner wichtig.

Haubenlerche

In einem sind sich die Experten einig: Gegen ein Zufüttern bei Schnee und Bodenfrost spricht nichts. Auch wenn man damit wohl kaum etwas für den Schutz bedrohter Arten beiträgt, so kommt man doch in den Genuss, die Schönheit der heimischen Vogelwelt ganz nah zu erleben. Und das kann ja immerhin das Bewusstsein dafür wach halten, wie schützenswert die Natur ist. Willst du wissen, wie du in der warmen Jahreszeit aktiv etwas gegen das Bienensterben tun kannst, dann lies dir diesen Artikel durch.

Noch viel mehr geniale Tricks, Projekte, Haushaltstipps und Ideen findest du in unserem neuen Buch, das du hier bestellen kannst.

Kommentare

Auch interessant